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Stichwort-Archiv | Tschad

Friedrich Konrad Hornemann, der Wegbereiter

Im Spätsommer 1795 steht beim Göttinger Professor Johann Friedrich Blumenbach ein unbekannter Besucher vor der Tür. Es ist der 22-jährige Friedrich Konrad Hornemann (1772–1801). Der junge Lehrer aus Hildesheim ist auf der Suche nach einem Weg, seinem provinziellen Schicksal zu entfliehen und Afrikaforscher zu werden. Und Blumenbach, ein international vernetzter Universalgelehrter, soll ihm den Weg dorthin bahnen. Tatsächlich schreibt der Professor kurz darauf seinem Freund Sir Joseph Banks eine Empfehlung. Banks, der mit Cook um die Welt gesegelt ist und in England der damals wohl bekannteste Naturforscher war, gehörte zu den Gründern der Afrikanischen Gesellschaft, die sich am Ende des 18. Jahrhunderts die Tilgung der riesigen weißen Flecken im Inneren des Kontinents zum Ziel gesetzt hatte. Hier möchte Hornemann seinem Vorbild nacheifern, dem gleichaltrigen Mungo Park, der wenige Jahre zuvor als erster Europäer den Niger gesehen hatte.

Nach drei Jahren der Vorbereitung in Göttingen und London bricht Hornemann 1797 nach Kairo auf. Sein Auftrag: von dort aus durch die Wüste Richtung Westen zu reisen, bis er auf den Niger trifft. Seit Parks Sichtung wusste man zwar, dass der Niger nach Osten fließt, der Verlauf im Inneren Afrikas war jedoch ein Rätsel. Fließt er in den Nil? Endet es in dem riesigen See, von dem man nur Mythen kennt? Hornemann soll es herausfinden.

In Kairo gerät er in den Feldzug Napoleons. Nach dem Sieg bei den Pyramiden im Sommer 1798 stattet ihn der Feldherr mit Geld und Pässen aus, damit er seine Reise antreten kann. Der Deutsche muss sich als Muslim tarnen, um an einer Karawane teilnehmen zu können. Tatsächlich reist er über die Oase Siwa nach Mursuk (oft auch Murzuk) und von hier aus zurück an die Küste nach Tripolis. Ab Siwa ist er der erste Europäer, der diese Region betritt. Für die Generation der Forscher, die auf Hornemann folgt, wird der Ort Mursuk zur zentralen Station auf dem Weg ins Innere Afrikas. Hornemann ist der Wegbereiter, der Pfadfinder. In Tripolis schreibt Hornemann sein Tagebuch, um danach wieder Richtung Süden aufzubrechen, über Mursuk bis zum Tschadsee und weiter Richtung Niger. Kurz bevor er den Fluss wirklich erreicht, stirbt Hornemann 1801 in Bakana, im heutigen Nigeria.

 

Kurzinfo: Friedrich Konrad Hornemann (20. September 1772 in Hildesheim getauft – † 1801 Bakana, Nigeria). Erforscht als erster die Strecke von Siwa nach Mursuk sowie die Nord-Süd-Route Tripolis – Mursuk – Bornu. Hornemanns Reisebericht als kostenloses E-Book. Hornemann bei Wikipedia.

 

Karte der Reise von Kairo nach Murzuk, Friedrich Konrad Hornemann.

Karte der Reise von Kairo nach Murzuk, Friedrich Konrad Hornemann.

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