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Thema | Person

Früher Brief Ludwig Leichhardts entdeckt

„Flabbergasted“ (verblüfft) war die Mitarbeiterin der Bibliothek in Brisbane, als sie plötzlich einen Brief des deutschen Entdeckers Ludwig Leichhardt in den Händen hielt. Er steckte in einem Umschlag mit weit weniger interessantem Material, das der Bibliothek gestiftet worden war. Niemand wusste wohl von diesem besonderen Stück. Ursprünglich auf Deutsch geschrieben und später übersetzt, berichtet der Brief von den frühen Jahren Leichhardts in Paris und seiner Beziehung zu den Brüdern Nicholson, die seine Arbeit unterstützten. Die Archivare in Brisbane freuen sich über diese besondere Quelle, da sie Einblick in eine weniger gut dokumentierte Lebensphase des Australien-Erforschers gibt.

Quelle: ABC/yahoo

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Georg Schweinfurth – der letzte Einzelgänger

Am Ende des 19. Jahrhunderts waren viele Geheimnisse Afrikas gelüftet. Einzig das Kongobecken breitete sich noch als großer weißer Fleck auf den Landkarten aus. Das Innere Zentralafrikas war immer noch unerforschtes Gebiet. Zahlreiche Expeditionen, die dem Nil flussaufwärts folgten, scheiterten an der schier unüberwindlichen Sumpflandschaft des Gazellenflusses im heutigen Südsudan. Es war der deutsche Wissenschaftler Georg Schweinfurth, dem es um 1870 herum schließlich gelang, hinter diese natürliche Barriere zu gelangen. Mit arabischen Sklavenhändlern zog er von hier aus weiter bis in den heutigen Nordost-Kongo. Als erster Europäer überquert er den Ullefluß, wo er das Volk der Akka entdeckt. Sein Reisebericht „Im Herzen von Afrika“ gehört zu den wirklich lesenswerten Klassikern der Reiseliteratur. Er gibt einen tiefen, wissenschaftlich unvoreingenommenen Einblick in das „Herz der Finsternis“, wobei seine Darstellung des Kannibalismus nicht ohne Kritik geblieben ist. Seine Schilderungen verdeutlichen auch die Konfliktlinien, die bis heute zwischen arabisch- und afrikanischstämmigen Volksgruppen im Sudan bestimmend sind.

Georg Schweinfurth ist der vielleicht letzte große Einzelgänger der Afrikaforschung. Seine Expedition war wegweisend, aber auch sein restliches Forscherleben hat viel zum Wissen über Nordafrika beigetragen. Die FU Berlin hat vor zwei Jahren ihren Fundus an Zeichnungen von Schweinfurth digitalisiert und gemeinsam mit vielen detaillierten Informationen online gestellt. Ein beispielhaftes Projekt! Zu finden ist dort unter anderem die unten abgebildete Karte, die seine zahlreichen Forschungsreisen zeigt.

Kurzinfo: Georg Schweinfurth (geb. 29. Dezember 1836 in Riga, gest. 19. September 1925 in Berlin), deutscher Afrikaforscher. Literatur: Schweinfurth-Schriften beim Projekt Gutenberg
Forschungsreisen von Georg Schweinfurth | © Botanischer Garten FU Berlin

Forschungsreisen von Georg Schweinfurth | © Botanischer Garten FU Berlin

 

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Friedrich Konrad Hornemann, der Wegbereiter

Im Spätsommer 1795 steht beim Göttinger Professor Johann Friedrich Blumenbach ein unbekannter Besucher vor der Tür. Es ist der 22-jährige Friedrich Konrad Hornemann (1772–1801). Der junge Lehrer aus Hildesheim ist auf der Suche nach einem Weg, seinem provinziellen Schicksal zu entfliehen und Afrikaforscher zu werden. Und Blumenbach, ein international vernetzter Universalgelehrter, soll ihm den Weg dorthin bahnen. Tatsächlich schreibt der Professor kurz darauf seinem Freund Sir Joseph Banks eine Empfehlung. Banks, der mit Cook um die Welt gesegelt ist und in England der damals wohl bekannteste Naturforscher war, gehörte zu den Gründern der Afrikanischen Gesellschaft, die sich am Ende des 18. Jahrhunderts die Tilgung der riesigen weißen Flecken im Inneren des Kontinents zum Ziel gesetzt hatte. Hier möchte Hornemann seinem Vorbild nacheifern, dem gleichaltrigen Mungo Park, der wenige Jahre zuvor als erster Europäer den Niger gesehen hatte.

Nach drei Jahren der Vorbereitung in Göttingen und London bricht Hornemann 1797 nach Kairo auf. Sein Auftrag: von dort aus durch die Wüste Richtung Westen zu reisen, bis er auf den Niger trifft. Seit Parks Sichtung wusste man zwar, dass der Niger nach Osten fließt, der Verlauf im Inneren Afrikas war jedoch ein Rätsel. Fließt er in den Nil? Endet es in dem riesigen See, von dem man nur Mythen kennt? Hornemann soll es herausfinden.

In Kairo gerät er in den Feldzug Napoleons. Nach dem Sieg bei den Pyramiden im Sommer 1798 stattet ihn der Feldherr mit Geld und Pässen aus, damit er seine Reise antreten kann. Der Deutsche muss sich als Muslim tarnen, um an einer Karawane teilnehmen zu können. Tatsächlich reist er über die Oase Siwa nach Mursuk (oft auch Murzuk) und von hier aus zurück an die Küste nach Tripolis. Ab Siwa ist er der erste Europäer, der diese Region betritt. Für die Generation der Forscher, die auf Hornemann folgt, wird der Ort Mursuk zur zentralen Station auf dem Weg ins Innere Afrikas. Hornemann ist der Wegbereiter, der Pfadfinder. In Tripolis schreibt Hornemann sein Tagebuch, um danach wieder Richtung Süden aufzubrechen, über Mursuk bis zum Tschadsee und weiter Richtung Niger. Kurz bevor er den Fluss wirklich erreicht, stirbt Hornemann 1801 in Bakana, im heutigen Nigeria.

 

Kurzinfo: Friedrich Konrad Hornemann (20. September 1772 in Hildesheim getauft – † 1801 Bakana, Nigeria). Erforscht als erster die Strecke von Siwa nach Mursuk sowie die Nord-Süd-Route Tripolis – Mursuk – Bornu. Hornemanns Reisebericht als kostenloses E-Book. Hornemann bei Wikipedia.

 

Karte der Reise von Kairo nach Murzuk, Friedrich Konrad Hornemann.

Karte der Reise von Kairo nach Murzuk, Friedrich Konrad Hornemann.

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Ludwig Leichhardts 200. Geburtstag

Ludwig Leichhardt

Ludwig Leichhardt, ca. 1850

Beginnen wir dieses Blog mit einem Eintrag über Ludwig Leichhardt, der 2013 besonders gewürdigt wird, weil sein 200. Geburtstag in dieses Jahr fällt (23.Oktober). Der australische Außenminister Bob Carr war jetzt in Berlin, um das Leichhardt-Jahr einzuleiten. „Leichhardt war einer der größten Erforscher und Naturwissenschaftler Australiens, ist aber in Deutschland kaum bekannt“, so Carr. In der Tat, das ist so, und deshalb ist ein Eintrag über Leichhardt ein guter Anfang und Aufhänger für diese Seite. Die Aufgabe wird und soll es sein, Licht ins Dunkel eines kaum bekannten Stücks Wissenschaftsgeschichte zu bringen. Viele deutsche Forscher, Reisende, Abenteurer und auch seltsame Charaktere waren nicht unwesentlich daran beteiligt, das Wissen über die Welt zusammenzutragen und um wichtige Kenntnisse zu bereichern. Zu einer Zeit, als es noch keine Google Maps gab, brachten sie geografische, anthropologische, botanische, und zoologische Neuigkeiten nach Europa. Ihre Reisegeschichten faszinierten ganze Generationen. Und sind heute weitgehend vergessen. Das ist schade, denn auch wenn wir heute ein kritisches Verhältnis haben zu Ethnozentrismus, Kolonialismus und Vereinnahmungen durch politische Systeme, so sind und bleiben diese Geschichten große Abenteuer und Wissenschaftskrimis. Und sie bleiben es Wert, erzählt zu werden.

Einige Höhepunkte des Leichhardt-Jahres:

  • 19. Februar 2013: Festakt im Bundestag
  • ab 4. Mai 2013: Leichhardt-Schau im Schloss Branitz
  • 24. Mai 2013: Symposium an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus
  • 23. Oktober 2013: Gründung einer Ludwig-Leichhardt-Akademie in Goyatz.

 

Kurzinfo Ludwig Leichhardt:
Geb. 23.10.1813 in Trebatsch, Brandenburg, gest. 1848 in Australien (verschollen)
Wichtigste Leistungen: Erste Durchquerung des australischen Outbacks 1844–1846
Literatur: Die erste Durchquerung Australiens: Von Brisbane zum Northern Territory
Die Route der erfolgreichen Leichhardt-Expedition 1844–1846

Die Route der erfolgreichen Leichhardt-Expedition 1844–1846 | © wikimedia/gemeinfrei

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